konsumausgaben nach einkommen | Timo Schnepf

konsumausgaben nach einkommen

Finanzielle Spielräume werden für arme Haushalte immer enger

Wie haben sich finanzielle Spielräume verschiedener Einkommensgruppen in den letzten 20 Jahren verändert?

Version: 21.07.2026

Die hier vorgestellte Statistik gibt einen lebensnahen Einblick in die Enwicklung materieller Freiheiten und Einschränkungen verschiedener Eikommensgruppen in den letzten 20 Jahren. Sie zeigt den Anteil am Gesamteinkommen, welchen Haushalte für verschiedene Ausgaben wie Mietkosten, Gastronomie oder Mobilität ausgegeben haben. Die Daten der laufenden Wirtschaftsrechnung waren bisher im Zeitverlauf nicht öffentlich verfügbar.

Der Anteil lebenswichtiger Konsumausgaben – Wohnen, Ernährung und Bekleidung – hat sich für verschiedene Einkommensschichten sehr unterschiedlich entwickelt. Am deutlichsten fällt die Veränderung bei den geringen Einkommen aus (unter 1.700 € Nettoeinkommen pro Haushalt und Monat): Hier stieg der Anteil an den Konsumausgaben um zehn Prozentpunkte, von 59 Prozent im Jahr 2002 auf 69 Prozent im Jahr 2022. Das ist erheblich und fällt weit stärker aus als im Gesamtdurchschnitt, wo der Anteil lediglich von 52 auf 54 Prozent zunahm. Betrachtet man die Einzelkategorien, zeigt sich, dass dafür vor allem die Ausgaben für Wohnen und Energie verantwortlich sind. Die Ausgaben für Lebensmittel sind leicht gestiegen, der Anteil für Kleidung ist in den vergangenen 20 Jahren sogar gesunken.

Wenn ein höherer Anteil des Budgets für die Lebensgrundlage aufgewendet wird, muss an anderer Stelle gespart werden. In der Überkategorie "Freizeit, Tourismus und Gastronomie" gingen die anteiligen Ausgaben deutlich zurück: Lag der Anteil bei den geringen Einkommen 2002 noch bei 17 Prozent, sank er bis 2022 auf 10 Prozent. Auch die Gesamtbevölkerung hat gespart, allerdings deutlich weniger – im Durchschnitt sank der Anteil nur um zwei Prozentpunkte, von 19 Prozent auf 17 Prozent. Entscheidend ist aber die absolute Summe dahinter: Geringverdienerhaushalten bleiben für Freizeit, Urlaub und Gastronomie noch 121 € im Monat, dem Durchschnittshaushalt 489 € – das Vierfache.

Insgesamt zeigt das Dashboard, dass die finanziellen Spielräume von Geringverdienerhaushalten deutlich geschrumpft sind. Der Kaffee mit Freunden wird nun zu Hause getrunken, der Musikschulunterricht für die Kinder lässt sich nicht mehr finanzieren – dieses Geld fließt stattdessen ins Wohnen. Da nur rund 20 Prozent der Haushalte mit niedrigen Einkommen in den eigenen vier Wänden leben und die übrigen zur Miete wohnen, trifft sie diese Entwicklung besonders hart. Verschärfend kommt hinzu, dass die Wohneigentumsquote in allen anderen Einkommensschichten im Zeitverlauf gestiegen ist – nur eben nicht bei den Ärmsten (Institut der deutschen Wirtschaft 2019: 9).

Zum Weiterlesen


Zu den Daten

  • Quelle: Laufende Wirtschaftsrechnung, Datenanfrage an das Statistische Bundesamt vom 15.07.2026.
  • Aufbereitung: Die Angaben stammen aus verschiedenen Dokumententypen und wurden für dieses Dashboard über die Zeit vergleichbar gemacht. Auch die Einkommensgruppen änderten sich leicht.
  • Aktualisierung: Mitte August wird das Dashboard mit den Daten der laufenden Wirtschaftsrechnung für 2024 aktualisiert.